Gefördert vom Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW)
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Ende August 2015 fuhr ich mit dem Zug nach Frankreich, genau genommen nach Caen, die Hauptstadt der Haute-Normandie, wo ich ein halbes Jahr bleiben wollte, um Französisch zu lernen.


erfaZu dem Zeitpunkt hatte ich fast einen Stand 0, da ich die 3 Jahre davor Russisch gelernt hatte. Dort angekommen verstand ich dementsprechend nichts und war sehr dankbar, dass mein Vater das erste Wochenende mit mir in meiner Gastfamilie verbrachte. Diese nahm mich von Anfang an freundlich auf und behandelten mich wie ein Familienmitglied.

Ich ging mit meiner jüngeren Gastschwester zur Schule, die dann in die troisième, also neunte Klasse ging. Das war dahingehend gut, dass mir viele Unterrichtsinhalte, vor allem in Geschichte und Mathematik, schon auf Deutsch bekannt, dadurch besser verständlich und neue Vokabeln leichter herzuleiten waren. Vieles musste ich gar nicht lernen, da vieles automatisch verinnerlicht wurde. Nach zwei Monaten habe ich nicht eine Vokabel bewusst gelernt. Außerhalb der Schule erhielt ich extra Grammatikunterricht, was mir das Anwenden der Sprache sehr vereinfachte. Besonders kleine planbare Gespräche wie beispielsweise Bäckereibesuche festigten am Anfang meine Kenntnisse und nahmen mir die Angst vor dem Sprechen.

In der Zeit lernte ich neben der Sprache auch viele Menschen, Orte und französische Sitten und Eigenheiten kennen. So sah ich außerhalb von Caen, wo ich die meiste Zeit verbrachte, die ländliche Umgebung der Stadt, Taizé, den Mont Saint Michel, Straßburg und selbstverständlich Paris. Die Franzosen machen einigen ihrer Klischees alle Ehre. So essen sie fast ausschließlich Weißbrot, die wenigsten mögen Schwarzbrot. Auch legen sie sie sehr viel Wert auf qualitatives Essen. Zuhause wurde immer alles komplett selbst gekocht und ich habe noch nie so gutes Kantinenessen gegessen!

Etwas Probleme hatte ich anfangs damit, dass der Tagesrhythmus um einige Stunden nach hinten verschoben stattfindet. So durfte ich dort morgens etwa eineinhalb Stunden länger schlafen, als ich es hier getan hätte, dafür fand allerdings auch das Abendbrot bis zu zweieinhalb Stunden später statt. Dazu kam, dass ich in den ersten Monaten fast täglich Kopfschmerzen hatte, da das ständige, nur teilweise unterbewusste Übersetzen sehr anstrengend war. Das legte sich dann aber als ich anfing durchgängig auf Französisch zu denken.

Nach diesen sechs Monaten kann ich fast alles auf Französisch ausdrücken. Auch fange ich, wenn ich mich wieder in französischsprachiger Umgebung befinde, automatisch an in französischer Sprache zu denken. Bei der Rückkehr hatte ich manchmal das Problem, dass ich auf Französisch geredet habe, während ich dachte es wäre Deutsch.

E. Erffa

 
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